Medienkonezpt 2011

Stand 22.03.2011

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Autoren: ArbeitsgruppeMedienkonzept - Ekkehard Brüggemann, Carsten Jörck, Martin Ihlius

1. Grundsätze und Grundvoraussetzungen der schulischen Arbeit mit (digitalen) Medien

Computer haben heute mehr denn je den Stellenwert einer metamedialen Kulturtechnik erlangt. Die Digitaltechnik umschließt und integriert die meisten klassischen Medien und parallel entwickelt sich das Internet zu einer der wichtigsten Kommunikationsplattformen. Heute gibt es für Schulen für geistige Entwicklung immer mehr Anwendungen für spezifische Förderbereiche. So geht es in unserer Schulform heute nicht mehr nur um Qualifizierung in den Bereichen Medienkompetenz oder Schriftspracherwerb. Vielmehr spielen heute Teilhabeaspekte, kompensatorische Effekte und individuelle / kommunikative Förderung mit und am Computer für uns eine immer wichtigere Rolle. Diese Entwicklung wird aus unserer Einschätzung weiter voran schreiten. Als Perspektive seien hier z.B. Fortschritte in der Entwicklung sog. Brain-Computer- Interfaces (BCI1), Entwicklungen im Bereich der virtuellen Realität oder der Robotik / Prothetik zu nennen, die es ermöglichen werden noch individueller auf spezifische Förderbereiche einzugehen. Parallel dazu erhält das Internet heute einen kommunikativen Stellenwert, wie er vor 15 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Somit ist es umso notwendiger Schüler in ihren individuellen Bedürfnissen durch Teilhabeprozesse in ihrem Lern- und Lebensumfeld auf den Umgang mit solchen Medien vorzubereiten. Nicht nur hierdurch stellen wir daher die Formulierung eines Medienkonzepts auf folgende allgemeine Prämissen und Zielsetzungen

  • Der gesetzlich verankerte Bildungsauftrag gilt uneingeschränkt auch für die Förderschulen. Unsere Schülerinnen und Schüler leben und lernenmit ihren Beeinträchtigungen unter stark erschwerten Bedingungen.
  • Die Förderschulen müssen im Sinne von Chancengleichheit eine „digitale Spaltung” der Schülerschaft verhindern.
  • Eine multimediale Vermittlung verschiedener, auch abstrakter, Lerninhalte stellt für unsere Schülerinnen und Schüler in ganz besonderem Maße eine Chance dar, weil diese Methode hervorragend geeignet ist, Handicaps und erhöhten Förderbedarf auszugleichen bzw. neue Felder zu eröffnen.
  • Unterricht hat auch kompensatorische Funktion, da unsere Schülerinnen und Schüler nicht immer auf eine häusliche Computerausstattung zurückgreifen können.
  • Zeitgemäßer Unterricht erfordert eine erhöhteMedienkompetenz der sonderpädagogisch ausgebildeten Lehrkraft. Hierzumüssen vor allem die Lehrer Qualifikationen erlangen, die es ihnen ermöglichen die immer stärker Individuum betonten Geräte mit ihren jeweils eigenen Zielsetzungen kennen und einsetzen zu lernen. Sie dienen als Grundlage der unterrichtlichen Angebote.
  • Den besonderen Anforderungen des Klientel der Schule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung sind diese allgemeinen Prämissen und Zielsetzungen zu ergänzen mit den spezifischen Anforderungen des Förderbedarfs an die Hardware und deren Adaption.

2. Grundvoraussetzungen und Ausstattung der Schule An Boerns Soll

An der Schule An Boerns Soll gibt es 25 Klassen, die auf über 7 Standorte im gesamten Landkreis verteilt sind. In den letzten Jahren wurde in der Schule An Boerns Soll die Umsetzung der allgemeinen und individuellen medialen Förderung kontinuierlich verfolgt und immer wieder modernisiert. Gerade auch durch die Standortverteilung wurde die Fortentwicklung im Bereich der Vernetzung über das Internet immer notwendiger. Hierzu wurde die Internetpräsenz in den letzten Jahren sowohl für interne Kommunikation als auch als öffentliche Repräsentanz ausgebaut. Drehpunkt ist hierbei die Schulhomepage http://www.anboernssoll.de. Alle Klassen im Haupthaus sind mit mind. einem netzwerk- und internetfähigen Rechner ausgestattet die hierüber auch an einen Farb- und S/W Drucker angeschlossen sind. Der Computerraum im Haupthaus ermöglicht es Schülern einer Schulklasse gleichzeitig auf das Schulnetzwerk oder das Internet zuzugreifen. Auf dem Server der Schule und lokal auf den einzelnen Rechnern ist die schulspezifische Software installiert. Aufgrund eines Rahmenleasingvertrags können Computer an unserer Schule alle 4 Jahre ausgetauscht werden, um die Plattformen auf einem aktuellen Stand zu halten. Eine externe, ortsnahe Firma kümmert sich um Beratung bei Hardware- und Softwareproblemen. Hardware in den Klassen:

  • Min. 1 -2PCs in jedem Klassenraum (mind. Pentium4) undWächterkarte und VNC
  • Windows XPmit Office 2003
  • Drucker (i.d. Außenstellen)
  • Lautsprecher,Monitor
  • 100MBit Vernetzung
  • Internetanbindung Hardware im Computerraum und zur Ausleihe (A):
  • Fileserver auf BasisWindows Server 2003 inkl.Wächterfunktion und Fernwartungsfunktion über UltraVNC
  • Laserdrucker s/w und farbig für jeden über das Netzwerk erreichbar
  • Scanner
  • diverse Notebooks (A)
  • Diverse Digicams und Videokameras (A)
  • Videoprojektor / Beamer (A)
  • Activeboard (A)

Software in den Klassen: Bei der Auswahl von geeigneter Software, wurde das Ziel eines möglichst selbstgesteuerten und selbstständigen Arbeitens am PC beachtet. Hier müssen besonders die kognitiven Fähigkeiten berücksichtigt werden, die in unserer Schulform sehr heterogen und an individuell sehr differenzierten Bedingungen geknüpft sind. Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der Software besteht darin, dass sie einfach zu handhaben sind, in den Programmen immer vergleichbare Steuerungsabläufe wiederzufinden sind und sie nicht zu stark mit Multimediaeffekten überladen sind, da dadurch die Konzentration meist nur unnötig auf "Nebensächlichkeiten" gelenkt wird und eine zusätzliche Motivation erfahrungsgemäß nicht nötig ist.

  • Budenberg
  • Freddy der Fuchs
  • Denkspiele 1-3, Sammy, Trudi Alfons, Lernwelt
  • Träger-Programme: Uniwort, Alphabet, Hören-Sehen-Schreiben, Audio, Wahrnehmung...
  • Schreiblabor
  • Lesewelt von Capito
  • Lifetools (Demo)-Programme: Archimedes, Euro, Hanna2, KonZen, Sicher im Verkehr....
  • Lernwerkstatt
  • LogoX Sprachausgabe auf den PCs Software zum Ausleihen (A), bzw. Online Services:
  • Boardmaker 5 (Mayer Johnsson) (A)
  • Schubi PIC, MetacomSymbole (A)
  • MagixMusicMaker Hip Hop Edition (A)
  • Internet Server für Website www.anboernssoll.de bei alsoisp.de inkl. 7GB Speicher, komplettem Traffic& Domain anboernssoll.de (ca. €75/Jahr) Zusätzlich verfügt die Schule über spezifische Technologien zur Unterstützung der Barrierefreiheit:
  • 4 PCsmit Touchscreens
  • 2 Tasteradapter
  • Lochfeldtastaturen
  • Intelli-Key-Tastaturen
  • 3 Bildschirmlesegeräte
  • Lightbox Die Ausleihe von Beamer, Kameras, Software, Laptop und in Zukunft Activeboards wird über das Eintragen in Listen bei der Schulleitung und im Sekretariat gewährleistet.

3. Umsetzung

3.1. Video / DVD / Buch, Unterstützte Kommunikation

Zur Ausleihe stehen in unserer Schule mehrere Videogeräte mit integriertem DVD Player (Medienraum). Des Weiteren stehen in der Schulbücherei sowohl für Schüler als auch Lehrer verschiedene Medien zur Ausleihe jederzeit zur Verfügung. Für den Bereich Unterstützte Kommunikation (UK) ist die Deutsch / Kommunikation Fachkonferenz zuständig, so dass eine gesonderte Aufstellung der technischen Hilfsmittel und Konzepte hier nicht geleistet wird. Grundsätzlich sollten die gesonderten Schulkonzepte aus den Bereichen Kommunikation / Deutsch / FC (gestützte Kommunikation) als handlungsleitende Grundprinzipien der Medienarbeit verstanden werden und stets in diese Betrachtung mit einfließen.2

3.2. Kompetenzbereiche

Jegliche Kompetenzen müssen nicht unbedingt in einem curricularen Rahmen unterrichtet werden. Vielmehr spielt offenes Arbeiten, selbstbestimmtes Lernen bei der Erarbeitung der Grundkompetenzen eine wichtige Rolle. Insofern können diese Kompetenzen nebenher im normalen Unterricht immer wieder eine entsprechende Rolle spielen und müssen nicht zwangsläufig in einem „Computerkurs“ eingeführt werden.

3.2.1. Computerbedienung / Grundlagenwissen

  • Regelgerechtes An- und Ausschalten des Computers (Ladevorgang, Herunterfahren des Rechners),
  • Einzelteile des Computers benennen (d.h. Lernen der einzelnen Komponenten des Computers:Maus,Monitor, Rechner, Drucker, Lautsprecher, Scanner, Tastatur),
  • Bedienung der Tastatur: Nutzung der Pfeiltasten und der Enter-Taste; Eingabe von Buchstaben, Wörtern und Sätzen,
  • Bedienung derMaus (Bedeutung der Maustasten: Einfacher Klick, Doppelklick, Starten von Anwendungen, Bedienen von Anwendungen)
  • Inbetriebnahme unterschiedlicher Programme über die Programmgruppen bzw. den Desktop
  • bei Bedarf: Bedienung Touch-Screen / Aktiveboard und spezifische Eingabegeräte (Ein- Mehrtasten-Steuerung, Großfeldtastatur, Intelli-key-Tastatur u.ä.)

3.2.2. Kompetenzbereich Textverarbeitung

  • Erstellung und Ausgestaltung von einfachen Texten in der Textverarbeitung, Abschreibübungen zum Kennenlernen der gebräuchlichen Tasten (Entfernen-, Zurück-, Umschalt- und Eingabetaste),
  • Speichern bzw. Einladen von Dokumenten, Bedienung innerhalb der Textverarbeitung (Rollbalkenbedienung, Textbereichemarkieren etc.).
  • Einführung in die Ordnerstruktur: Ordner anlegen, Texte, Bilder ablegen
  • Texte schreiben, bearbeiten, formatieren (Schriftart und –Größe, fett, kursiv unterstrichen)

3.2.3. Kompetenzbereich Internet

  • Einen Internet Browser öffnen und bedienen können (Firefox, Internet Explorer)
  • Nutzung typischer Internetseiten Diese Grundkompetenzen könnten erweitert werden durch:
  • Recherche imInternet: Bedienung von Suchprogrammen, Onlinelexika, Onlineatlanten
  • Bedienung des E-Mail-Programms und Absenden/ Empfangen von E-Mails (Web-Mail-Dienste)
  • Nutzung der wichtigsten Internet-Dienste: WWW, FTP (Download), Chat,
  • Medienkritischer Umgang mit demMedium: d.h. gegen bedenkliche, gefährliche Inhalte, wie z.B. Pornographie, Gewalt, illegalen Downloads

3.2.4. Kompetenzbereich Präsentation

Bei entsprechenden individuellen Kompetenzen der Schüler können im Bereich Präsentation noch folgende Punkte ergänzt werden:

  • Einsatz von Film- und Fotopräsentationsprogrammen
  • Einführung in Präsentationsprogramme (Powerpoint)
  • Vorbereiten und Herstellung von Druckmedien (Kopieren, Scannen, Drucken)
  • Vorbereiten von Inhalten für die Homepage der Schule   3.3. Stufenspezifische Einsatzbereiche Neuer Medien In allen Klassenstufen und Unterrichtsfächern können Computer eingesetzt werden. Unterstufe, Kl. 1–4
  • Arbeit mit unterschiedlichen Förderprogrammen zur Förderung von z. B.Wahrnehmung, Konzentration etc. Mittelstufe, Kl. 5–8
  • Arbeit mit Programmen zur Vermittlung/Festigung der Kulturtechniken
  • Nutzung des PCs als einfaches Recherche- und Texterstellungswerkzeug
  • Übergang Schule-Beruf-Arbeit Oberstufe, Kl. 9–10
  • Erstellung von Lebenslauf und Bewerbungsschreiben
  • Erwerb von Grundkenntnissen imBereich des Internet
  • Arbeit in Projekten: z. B. Mitarbeit am Aufbau bzw. der Pflege der schuleigenen Homepage, Gestaltung einer Schülerzeitung, Präsentation von Unterrichtsprodukten

3.4. Die Homepage der Schule An Boerns Soll

Die Homepage der Schule An Boerns Soll3 hat mehrere Funktionen im Bereich der Organisation und Präsentation.

3.4.1. Kommunikationsplattform extern

  • Schulische Außendarstellung
  • Publikationsmöglichkeiten für Schüler (Berichte, Nachrichten, Recherchen). Diese wird im Unterricht gerne genutzt, um über unser Schulleben zu berichten.
  • Publikationsmöglichkeiten für Lehrer (Informationen austauschen, Kalenderfunktionen) 3.4.2. Kommunikationsplattform intern
  • Interne Kommunikation für Lehrer und Verwaltung (interner Bereich -> Unterrichtsmaterial, bürokratisches und offizielle Dokumente, Essenbestellung)
  • Anbindung an Evaluationsmöglichkeiten über das Internet mit Grafstat

4. Qualifizierung der Lehrerschaft

Die Benutzung des Internets (eMail, Web) ist für unsere Kollegen eine Grundvoraussetzung geworden. Kommunikation findet schon in einem großenMaße im Bereich Kollegium <–> Verwaltung und natürlich innerhalb des Kollegiums statt. Das sich bisher rasant fortentwickelnde Medium Internet / Computer bedarf jedoch einer stetigen Weiterbildung des Kollegiums. Auch die Leitbildentwicklung der Schule An Boerns Soll zeigte in diese Richtung und fragt ebenfalls danach, den genaueren Fortbildungsbedarf der Kollegen besser zu erfassen. Eine Lösung ist eine regionale Arbeitsgruppe (AGIT) von Schulen aus der Region, wo die Schule An Boerns Soll mit einem Kollegen vertreten ist. In dieser Arbeitsgruppe wird an einer Evaluation gearbeitet, die das Thema Medienkompetenz in den Kollegien genauer hinterfragen möchte. Der Fragebogen wird derzeit entwickelt und soll bis Anfang des Jahres 2011 in den Schulen erfasst und ausgewertet worden sein. Hierüber soll Klarheit über die Bedürfnisse in den Kollegien geschaffen werden, an welchen Stellen Qualifizierungen in naher Zukunft notwendig werden. Zur Absicherung des bisherigen Fortbildungsstands innerhalb des Kollegiums und der Sicherstellung der genannten Kompetenzen ist die Einführung in und die Wiederholung der genannten Bereichen sinnvoll. Fortbildungen sollten hier im Jahresrhythmus als Einführung und Fortgeschrittenenkurse angeboten werden:

  • Einsatz von Lernsoftware im Unterricht
  • Benutzung einer Textverarbeitung für den Unterricht und Unterrichtsvorbereitungen
  • Präsentierenmit dem Computer
  • Internet für Lehrer – Recherche und Publikationsmittel
  • Spezifische Hard- und Software für beeinträchtigte Schüler (Ansteuerungshilfen am PCs, motorische Hilfen, Barrierefreiheit) – Schnittstellen zur UK-Arbeit am Computer

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Brain-Computer-Interface, c‘t 21/2010, S.23, letzter Absatz
2 Vergl. Kommunikationskonzept und FC-Konzept: http://www.anboernssoll.de/index.php?option=com_content&view=article&id=174&Itemid=172
3 http://www.anboernssoll.de